Die richtigen Namen für Figuren finden

Ein Thema, mit dem jeder angehende Autor sich irgendwann einmal auseinandersetzen muss, ist: Wie sollen die Figuren, die ich mir ausgedacht habe und die in meiner Geschichte vorkommen, eigentlich heißen? Hierbei gibt es ganz verschiedene Herangehensweisen: Mancher wählt einfach Namen aus, die einen schönen Klang haben. Ein anderer wählt den Namen einer Figur aus seinem Lieblingsfilm. Doch schon die Wahl des „passenden“ Namens kann für die Geschichte wichtig sein – deshalb sollte man sich die Entscheidung nicht zu leicht machen.

Gut gewählte Figurennamen erfüllen im besten Fall mehrere Aufgaben: Zum einen sind sie geeignet, dem Leser sehr schnell und unkompliziert das Setting der Geschichte näherzubringen. Heißen die Protagonisten Ayurin und Heshla handelt es sich wahrscheinlich um eine Fantasy-Geschichte; bei Jack und Mike wissen wir, dass die Handlung in den USA spielt und Wolfgang und Brigitte versetzen uns ins Deutschland der 60er Jahre (oder sagen etwas über das Alter der Figuren aus – je nachdem). Man kann viele Hinweise auf das Genre, den Ort der Handlung und die Zeit, in der sie spielt, bereits in den Namen verstecken. Im Internet gibt es zahlreiche Seiten, die über Bedeutung, Vorkommen und Beliebtheit verschiedener Vornamen aufklären.

 

Namen können zudem etwas über das soziale Milieu einer Figur aussagen. Das bedeutet nicht, dass man jeder Figur aus einer bildungsbürgerlichen Familie einen Doppelnamen geben und jede Figur aus einer sozial schwachen Familie Kevin nennen muss – aber es ist gut, über solche Klischees Bescheid zu wissen, um sie wenn, dann gezielt einsetzen zu können.

 

Häufig nutzen Autoren auch Namen, deren hintergründige Bedeutung die Rolle der Figur in der Geschichte widerspiegelt. Ein prominentes Beispiel dafür ist die „Harry Potter“-Reihe, in der die bösartige „Dolores“ (=Schmerz) Umbridge ebenso vorkommt wie der rätselhafte Tom „Riddle“ (=Rätsel). Solche Anspielungen gefallen vielen Lesern – man muss aber auch aufpassen, dass man es nicht übertreibt. Denn dass z.B. „Remus Lupin“ ein Werwolf ist, war jedem mit rudimentären Lateinkenntnissen wohl schon nach der ersten Nennung seines Namens klar – was die „überraschende“ Auflösung am Ende für diese Leser dann nicht mehr sonderlich überraschend machte.

 

Vermeiden sollte man in jedem Fall, mehreren Figuren ähnlich klingende Namen bzw. Namen mit gleichen Anfangsbuchstaben zu verpassen, da dies schnell verwirrend wird. Wenn Sarah, Sandra und Saskia gemeinsam unterwegs sind, blickt bald kein Leser mehr durch.

Weiterhin hüten sollten sich Autoren davor, ihren Figuren allzu exquisite Namen zu geben, die ihnen selbst gefallen – die allerdings in der Realität kaum vergeben werden. Wenn sich dies in einem Buch allzu sehr häuft, wirkt es schnell unglaubwürdig.

 

Letztendlich muss der Name aber vor allem eins: Sich „richtig anfühlen“ für den Autor.

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Kommentare: 1
  • #1

    lea meier (Samstag, 01 Februar 2014 18:32)

    Können es auch ausgedachte namen sein ??

 

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