Lektorat – brauche ich das wirklich?

Jeder, der sich mit dem Gedanken trägt, ein Manuskript zu veröffentlichen – egal ob nun via Selfpublishing, Klein- oder Großverlag – gerät irgendwann an den Punkt, an dem er sich mit dem Lektorat befassen muss. Für manche ist das Lektorat sozusagen der Ritterschlag für das Manuskript, für andere eher ein notwendiges Übel.

Besonders im Bereich des Selfpublishing lese ich öfter die Frage: „Brauche ich wirklich ein Lektorat?“ Die hohen Kosten, die man für ein ordentliches Lektorat als Selbstveröffentlicher zu tragen hat, geben manchem zu denken. „Ich habe das Manuskript ganz vielen Freunden zum Testlesen gegeben und selbst 3x Korrekturgelesen, das muss doch reichen“ – so oder so ähnlich lesen sich Begründungen für den Verzicht auf ein Lektorat.

 

Nun ist das Lektorat für meinen demnächst im fhl-Verlag Leipzig erscheinenden Roman „Die Seele des Stachelschweins“ beendet und ich möchte gern ein paar meiner Eindrücke festhalten:

 

Ich hatte mein Manuskript zuvor von bestimmt 10 Personen testlesen lassen – nicht nur von Freunden, sondern auch von angehenden Autoren. Möglichkeiten, Testleser zu finden, gibt es dank Internet so einige. Ich habe selbst das Manuskript unzählige Male gelesen, um auch den letzten Rechtschreibfehler zu eliminieren. Eigentlich, dachte ich, kann das Lektorat doch jetzt gar nichts mehr finden.

 

Aber weit gefehlt! Wie der Beispiel-Screenshot oben zeigt, hatte auch mein Manuskript noch jede Menge Überarbeitungspotential. Trotz aller Bemühungen, es „perfekt“ zu machen, gab es einige Logikprobleme, zeitliche Abläufe stimmten nicht und Wortwiederholungen sieht man selbst nach dem hundertsten Korrekturdurchgang einfach nicht mehr.

 

Ergo: Selbst die tollsten Testleser und das Gewissenhafteste „Selbst-Überarbeiten“ entbinden nicht von einem richtigen Lektorat! Ich bin wirklich sehr froh, dass durch diese „Fremdsicht“ mein Roman nun noch um einiges besser geworden ist und kleine, aber dennoch peinliche Fehler, ausgemerzt wurden.

 

Mancher, der sich in der Verlagsbranche nicht so gut auskennt, verwechselt das Lektorat auch mit dem Korrektorat – aber das sind zwei ganz verschiedene Dinge. Das Lektorat konzentriert sich vor allem auf den Aufbau der Geschichte, auf Logikfehler und Charakterentwicklung. Das Korrektorat wird nach abgeschlossenem Lektorat von einer weiteren Person durchgeführt, die dann noch einmal Zeichensetzung und Rechtschreibung checkt.

 

Hin und wieder höre ich von Lektorats-„Gegnern“ (bzw. Selbstveröffentlichern, die glauben, kein Lektorat zu benötigen) auch das Argument, man wolle nicht, dass das Manuskript seine Authentizität verliere. Der eigene Stil und die eigenen Ideen, sollen so unverfälscht wie möglich zwischen zwei Buchdeckeln landen, und man wollte sich keine Veränderungen durch einen Lektor aufzwingen lassen, nur um „Mainstream“ zu sein.

 

Diese Befürchtung kann ich nach meiner Erfahrung mit dem Lektorat nicht bestätigen (wobei ich nicht weiß, wie es z.B. bei Großverlagen zugeht – ich spreche erst einmal nur vom Kleinverlag). In der Regel hat auch der Lektor ein Interesse daran, dass euch euer Roman immer noch gefällt. Er oder sie macht Vorschläge und gibt Anregungen; zeigt Stellen auf, die problematisch sind.

Der Autor ist aber nicht gezwungen, alles zu übernehmen. Wenn man einen Abschnitt so gerne mag, wie er ist, dann sollte man dazu stehen und dies auch dem Lektor gegenüber „verteidigen“. So gelingt eine konstruktive Zusammenarbeit, an deren Ende ein druckreifes Buch steht – und man merkt diese zusätzliche Arbeit dem Ergebnis deutlich an!

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Kommentare: 3
  • #1

    Elsa Rieger (Sonntag, 05 Mai 2013 19:06)

    "Mancher, der sich in der Verlagsbranche nicht so gut auskennt, verwechselt das Lektorat auch mit dem Korrektorat – aber das sind zwei ganz verschiedene Dinge. Das Lektorat konzentriert sich vor allem auf den Aufbau der Geschichte, auf Logikfehler und Charakterentwicklung. Das Korrektorat wird nach abgeschlossenem Lektorat von einer weiteren Person durchgeführt, die dann noch einmal Zeichensetzung und Rechtschreibung checkt."
    Das stimmt genau. Danke für den interessanten Beitrag, Anne!

  • #2

    Susanne (Sonntag, 05 Mai 2013 19:32)

    Danke für diese Lanze, die du für den Berufsstand der Lektoren gebrochen hast!
    Letztendlich kann ein/e gute/r Lektor/in nicht nur die Schwächen, sondern auch die Stärken eines Manuskriptes erkennen und dem Autor dabei helfen, die noch besser herauszuarbeiten.
    Leider muss man auch sagen, dass in den Weiten des WWW viele selbsternannte Viertel- und Halbprofis herumschwirren, die dann an den Manuskripten herummurksen und die Autoren zu Recht verprellen. Lektor/in ist leider keine geschützte Berufsbezeichnung... Liebe Autoren, bevor Ihr Euch auf eine Zusammenarbeit einlasst, gerade im Indie-Bereich, vereinbart ein Probelektorat, lasst Euch Referenzen zeigen und führt ausführliche Gespräche. Und entscheidet nicht nur nach dem Preis. Gerade ein gründliches Lektorat ist eine Fleißarbeit, die einfach ihren Preis haben muss.

  • #3

    Katharina Kraemer (Sonntag, 27 April 2014 19:13)

    Ein "Manuskript" (wer schreibt heute noch von Hand) ist selten frei von Ungereimtheiten, Fehlern und Schwächen. Eine Leser-Korrektur ist eine halbe Sache. Autoren-Korrektur zwar zwingend, aber oft wird die auch nicht gemacht. So landen "Momentaufnahmen" beim potentiellen Leser. Aber DAS will er gar nicht lesen. Am Ende sind beide Seiten enttäuscht: der Leser, weil das Skript nicht überzeugt, der "Autor", weil er sich nicht wertgeschätzt fühlt. Ohne die Nacharbeit - ein Unding. Sehe ich bei meinem eigenen "Geschreibsel".

 

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