Unverlangte Manuskripte – wie man es richtig macht

Jeden Tag schicken hunderte von jungen oder auch älteren Hobbyschriftstellern ihre fertig gestellten Manuskripte auf die Reise zu großen und kleinen Verlagen, in der Hoffnung auf einen Vertrag, auf den Fuß in der Tür der Branche. Die Verlage wiederum werden jeden Tag aufs Neue mit solchen sogenannten „unverlangt eingesandten Manuskripten“ zugeschüttet. Wie viele davon später tatsächlich veröffentlicht werden, darüber gibt es viele deprimierende Zahlen – einer von 3000 oder auch nur einer von 10.000, je nachdem, wen man fragt.

Belastend ist es für beide Seiten: Verlagsmitarbeiter verbringen Unmengen von Zeit mit der Sichtung, ohne dass wirklich viel dabei herausspringt. Und bei den Autoren stapeln sich die Absagen, was spätestens nach dem zwanzigsten Versuch wirklich deprimierend wird.

 

Nun habe ich während meines Studiums ein Praktikum in einem Verlag absolviert und war dort auch zeitweise für die Sichtung unverlangt eingesandter Manuskripte zuständig, d.h. es musste vorsortiert werden, welche Sachen überhaupt in Frage kämen und welche nicht. Einige grundlegende Dinge sind mir dabei aufgefallen, die von den angehenden Autoren sehr häufig falsch gemacht wurden:

 

1. Anforderungen an Manuskripteinsendung nicht gelesen.

Die meisten Verlage verraten irgendwo auf ihrer Homepage, wie unverlangte Manuskripte einzusenden sind. Da steht dann zum Beispiel: Ein kurzes Exposé, 1 Seite Autorenvita und das erste Kapitel als Leseprobe. Oder so. Daran sollte man sich als Autor unbedingt halten. Immer wieder habe ich es erlebt, dass uns vollständige Manuskripte eingesandt wurden, obwohl ausdrücklich nur eine Leseprobe verlangt war. Auch die Autorenvita fehlte häufig. Wie kommt das beim Verlag an? Richtig: Wenn er oder sie sich nicht einmal die Mühe macht, unsere Anforderungen richtig zu lesen, dann ist es ihm wohl auch nicht allzu ernst mit einer langfristigen Zusammenarbeit.

 

2. Programm des Verlages nicht gesichtet.

Jeder Verlag hat ein gewisses Profil mit ganz bestimmten Schwerpunkten, was Genre und Stilrichtungen angeht. Der Verlag, in dem ich sichtete, spezialisierte sich beispielsweise auf Krimis und Thriller. Bestimmte Genres, wie Fantasy, History oder ScienceFiction wurden generell nicht angenommen. Ein kurzer Klick durch die bisherigen Veröffentlichungen eines Verlages zeigt recht schnell, wo der Schwerpunkt liegt. Man spart sich selbst und den Verlagen viel Zeit und Mühe, wenn man nur Manuskripte einsendet, die überhaupt ins Programm passen.

 

3. Schlechtes Exposé.

Das erste, was der Lektor (oder Praktikant ^^) von euch lesen wird, ist in der Regel das Exposé. Das Exposé dient dazu, auf möglichst wenig Raum eine Idee davon zu geben, worum es eigentlich in eurem Buch gehen soll. Ein Exposé sollte möglichst nicht mehr als 3 Seiten umfassen und auch das Ende der Geschichte beinhalten. Ganz wichtig: Es geht nicht nur darum, die Handlung eures Buches 1:1 wiederzugeben, sondern vor allem den zentralen Konflikt deutlich zu machen und ein Gefühl dafür zu vermitteln, warum euer Projekt interessant sein könnte. Wer noch nie en Exposé geschrieben hat, dem kann ich den Ratgeber „Drei Seiten für ein Exposé“ von Hans Peter Roentgen ans Herz legen.

 

4. Schludrigkeit in der Leseprobe.

Kein Text ist je perfekt, und auch ein kleiner Tippfehler wird nicht automatisch dazu führen, dass euer Manuskript abgelehnt wird. Dennoch gilt: Die Textprobe sollte so gut wie möglich sein; nehmt euch mit ihr ruhig Zeit und lasst auch mal jemand Fremdes drüber lesen. Selbst, wenn eure Idee eigentlich gut ist – strotzt die Leseprobe vor Rechtschreib- und Kommafehlern, werdet ihr wahrscheinlich trotzdem ausgesiebt, denn es gibt genug Konkurrenz, die es besser macht. Ähnliches gilt für Stil, Figuren und Spannungsaufbau – In der Leseprobe solltet ihr euer ganzes schriftstellerisches Können zeigen!

 

5. Keine Geduld.

Einen Verlag zu finden ist in den meisten Fällen eine langwierige Sache. Macht euch lieber von vornherein auf mindestens 1 Jahr Verlagssuche gefasst. Geduld ist das A und O – die Mühlen der Verlagswelt mahlen nämlich sehr langsam. Manche Verlage geben euch erst nach vielen Monaten eine Rückmeldung – wenn überhaupt. Mit Ungeduld, ständigen Rückfragen per Telefon oder E-Mail, werdet ihr wahrscheinlich nur erreichen, dass der zuständige Mitarbeiter im Verlag von euch genervt ist und euch irgendwann absagt, nur um seine Ruhe zu haben.

 

Die gute Nachricht am Schluss. Zumindest für Kleinverlage gilt nach meiner Erfahrung: Passt ihr wirklich ins Programm und sowohl eure Idee als auch euer Stil sind gut, dann stehen die Chancen gar nicht übel, einen Vertrag zu bekommen. Wenn ihr die oben genannten fünf Fehler nicht macht, seid ihr der Veröffentlichung auf jeden Fall schon einen großen Schritt näher!

 

 

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Kommentare: 10
  • #1

    Dani (Samstag, 06 April 2013 19:15)

    Die Tipps sind wirklich super, vielen Dank! :))

  • #2

    Peter Hakenjos (Samstag, 06 April 2013 20:23)

    Wer keine Beziehungen, kein Studium der Literatenschmiede in Leipzig hat oder kein prominentes Mitglied unserer Gesellschaft ist, der hat de facto nicht viel mehr Chancen als ein Treffer im Lotto. Es gibt ja jede Woche Gewinner :-), also nicht verzagen ... hohoho. Die Verlage sparen sich Geld für Lektoren und verlegen lieber Bücher wie "So ist das" von Stefan Grötzner in dessen Vita nachzulesen ist, wie er zu der Ehre kam, verlegt zu werden. Zum Glück gibt es LULU und BoD, aber da veröffentlichen leider viele Menschen, die sich noch nicht einmal die Mühe machen, ihre eigenen Werke gründlich zu redigieren. Von daher nützt es auch nichts, das gedruckte Werk in der Hand zu haben, denn kaum eine Buchhandlung, bei der man nicht Stammkunde ist, wird es sich in die Auslage legen. Aber wie heißt es so schön im Koran: Allah ist mit den Standhaften. Wir bleiben dran. Übrigens sollte man mit dem Begriff "Hobbyautor" vorsichtig sein. Das klingt sehr nach Stricken und Häkeln. Wenn schon, dann Amateur, denn das kommt von "Lieben" und das tun wir das Schreiben. Es ist ein Teil unseres Lebens.
    Peter Hakenjos

  • #3

    Imke (Mittwoch, 10 Juli 2013 17:12)

    Wirklich gute, ermutigende Tipps, die helfen können, zumindest die gröbsten Fehler zu vermeiden. Allerdings denke ich leider auch, dass bei 3000-15000 unverlangt eingesandten Manuskripten pro Jahr die Chancen auf eine Veröffentlichung verschwindend gering sind. Auch dann, wenn der Text qualitativ gut ist und man "alles richtig gemacht" hat. Bei seriösen Kleinverlagen sind die Aussichten vermutlich noch am besten, doch bedeutet dieser Weg meist, dass das Buch nicht beworben und nicht in Buchläden zu finden sein wird. Ergo - man ist selbst für die Vermarktung zuständig - was auch nicht jedem liegt. Ich stimme zu, dass eine Selbstidentifikation als "Hobby-" oder "Freizeitautor" zwar realistisch sein mag, als Antwort auf die Situation aber nur bedingt geeignet ist. Klingt alles andere als ernsthaft und eher nach unfreiwillig komischen, schlecht geschriebenen Texten.

  • #4

    Jana (Samstag, 07 September 2013 12:07)

    Vielen Dank, das hat mir sehr geholfen, habe Exposé und Leseprobe zwar schon verschickt, aber zumindest konnte ich an deinen Tipps lesen, dass ich alles richtig gemacht habe, jetzt bleibt nur abwarten. :)

  • #5

    Kalle (Montag, 01 September 2014 15:00)

    Danke Anne, ich werde Deine Tipps beherzigen. Obwohl ich bereits seit 10 Jahren freier Texter und seit 25 Jahren Redakteur bin, lernt man immer noch dazu!

  • #6

    herwig schachel (Donnerstag, 11 September 2014)

    Was heißt denn das
























    Was ist denn das für ein Deutsch:


    "lasst auch mal jemand Fremdes drüber lesen"

  • #7

    Marco (Montag, 29 September 2014 19:10)

    Zur Leseprobe würde ich gerne eine Frage stellen.
    Muss die Leseprobe 1:1 aus einem Manuskript übernommen werden? Bzw., darf es ähnlich eines Exposés´ zusammengefasst werden um den Kern des Inhalts wiederzugeben?

  • #8

    Toni (Montag, 08 Dezember 2014 18:20)

    Hallo! Deine Tipps haben sehr geholfen, danke :)

  • #9

    Tülay (Dienstag, 15 September 2015 23:25)

    Danke für die Tipps und Tricks. Ein Buch zu schreiben ist genau wie Schauspielen und tanzen eine Begabung die im Blut stecken muss ohne eine blühende Fantasie und Poesie gepaart mit einer scharfen Gedankenübertragung die den Leser dazu führt nicht aufzuhören dieses Buch zu Ende zu lesen.

  • #10

    GraveDigger (Montag, 16 Oktober 2017 17:18)

    Hallo, danke für die Tipps :-)

    Aber: echt schade, dass die Vorauswahl (z.T.) durch Praktikanten erfolgt ...

    Das ist ja wie wenn man einem Rechtsanwalt eine Frage stellt und von der Sekretärin die Antwort bekommt. Oder: ich geh zum Arzt und werde von seiner Helferin untersucht.

    Ihr wisst was ich meine.

 

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