Wer verdient an meinem Buch?

Gerade für junge Schreiber, die sich mit der Buchbranche noch nicht so gut auskennen, ist es manchmal unverständlich, warum sie als Autor eines Buches nur um die 8% von dem bekommen sollen, was der Leser letztlich für ihr Werk ausgibt. Je nach Ladenpreis ist das meistens kaum mehr als ein Euro.

Der Grund für diese von manchen empfundene Ungerechtigkeit ist aber weder der „böse“ Verlag noch der „böse“ Handel – es liegt schlicht und ergreifend daran, dass sehr viele Akteure in der Buchbranche tätig sind und dafür sorgen, dass ein Buch erfolgreich ist. Und alle müssen von irgendetwas leben. Dabei arbeiten in der Verlagsbranche in der Regel schon Idealisten, denn die große Kohle verdient man besser woanders.

Die meisten Menschen, die ich bisher in Verlagen und im Buchhandel kennengelernt habe, ergriffen ihren Beruf, weil sie Bücher lieben und halten sich damit oftmals eher schlecht als recht über Wasser.

 

Wer verdient alles an einem Buch? Nun, zuallererst einmal der Staat. Auf Printbücher zahlt der Kunde die ermäßigte Mehrwertsteuer von 7%, auf e-Books momentan noch volle 19% vom Ladenpreis.

 

Als nächstes kommt der Händler dran. Der bekommt vom Ladenpreis abzüglich der Mehrwertsteuer (dem sogenannten Nettoladenpreis) um die 35% dafür, dass er das Buch an die Leser bringt. Händler mit mehr Marktmacht, wie beispielsweise Amazon, verlangen durchaus auch satte 50% (und mehr). Kleine, stationäre Buchhändler, kommen mit ihrer Handelsspanne meist gerade so über die Runden. Sie müssen Personal, Raummiete sowie Heiz- und Stromkosten tragen. Auch für die Lieferung der Bücher von den Verlagen an die Buchhändler muss gezahlt werden – diese übernehmen meistens die Barsortimente oder verlagseigene Auslieferungen. Und die Bücher, die nach einer gewissen Zeit nicht verkauft wurden, müssen remittiert werden, d.h. an den Verlag zurückgeschickt bzw. vernichtet. Auch das kostet wieder Geld.

 

Der Verlag selbst schließlich, dessen Umsatz vom Ladenpreis nach Abzug von Steuer und Händlerspanne noch bei etwa 60% liegt , muss davon wesentlich mehr zahlen als bloß die Druckkosten. Im Verlag arbeiten Marketingleute, Lektoren, Grafiker und Wirtschaftler. Es müssen Kampagnen gestartet, Poster gedruckt, Lesungen organisiert werden. Zudem haben größere Verlage noch Vertreter, welche Buchhandlungen besuchen und sie davon überzeugen, die Bücher des Verlages in ihre Regale zu stellen. Alle diese Menschen müssen bezahlt werden, der Autor bekommt sein Honorar – und am Ende macht der Verlag mit dem Buch meistens in etwa denselben Gewinn wie der Autor.

 

Eine Beispielrechnung:

Euer Buch kommt mit einem Ladenpreis von 12€ auf den Markt.

Der Nettoladenpreis beträgt dann etwa 11,21€.

Der Buchhändler verdient im Schnitt 3,93€ pro verkauftem Exemplar.

Der Verlagsumsatz beträgt dann im Schnitt 7,30€.

Davon noch mal etwa 1,50€ Druckkosten abziehen; macht 5,80€.

Davon noch euer Autorenhonorar von etwa 0,90€ abziehen; macht 4,90€.

Wenn man davon ausgeht, dass etwa 55% des Verlagsumsatzes für Personal und Marketing draufgeht, bleiben dem Verlag somit am Ende etwa 0,90€ Gewinn pro Buch.

 

Jeder einzelne verdient in diesem Prozess zwar nicht viel an eurem Buch, aber in der Gesamtheit lebt eine ganze Branche von dem, was der Autor liefert. Wie schwer es wäre, ohne alle diese Akteure, nur auf euch gestellt, eure Bücher zu verkaufen, das wissen diejenigen, die es mit Selfpublishing versuchen (wobei auch hier ja meist über Händler wie z.B. Amazon vertrieben wird, die einen großen Anteil vom Kuchen abbekommen).

Dass die Buchbranche heute noch so bunt und vielseitig ist, liegt nicht zuletzt daran, dass sich sehr viele Menschen – Händler, Lektoren, Kritiker, Lieferanten und Autoren – teilweise bis zur Selbstausbeutung für das einsetzen, was sie lieben: Die Literatur.

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Kommentare: 7
  • #1

    Carmen Bauer (Samstag, 16 März 2013 18:20)

    Vielen Dank. Das hast du sehr klar und deutlich beschrieben. Aber das mit den 0,90€ Gewinn stimmt nicht, oder ich habe mich verrechnet? Egal, du beschreibst sehr aufschlussreich, wer hier wie an was verdient und das finde ich gut dargestellt.

  • #2

    Anne Mehlhorn (Samstag, 16 März 2013 18:24)

    Hi Carmen! Freut mich, dass du es soweit übersichtlich dargestellt empfunden hast. Die Berechnung ging am Ende vielleicht etwas durcheinander. Wenn der Verlagsumsatz 7,30€ beträgt, sind 55% (Personal und Marketing) davon ungefähr 4€. Die 4,90€, die nach Druck und Autorenhonorar übrig sind minus die 4€ für Personal und Marketing ergibt dann den Gewinn. Ich hätte es wohl irgendwie übersichtlicher darstellen sollen ... Danke für's Feedback! :-)

  • #3

    Antje Hansen-Käding (Sonntag, 17 März 2013 17:53)

    Das ebook ist wirklich keine schlechte Idee, von der Handhabung beim Lesen und den Platzproblemen gar nicht zu reden.

  • #4

    Laura (Donnerstag, 08 Januar 2015 11:39)

    Hallo.
    Ich finde diesen Artikel wirklich sehr gut gelungen. Sehr interessant und endlich konnte ich im Internet mal etwas darüber finden, wie viel der Buchhändler nun wirklich abbekommt.
    Ich finde es gut, dass Du am Ende betonst, dass das Geschäft leider ziemlich ausgeschöpft ist und nur noch die daran arbeiten, die die Literatur lieben. Ich möchte selbst im Verlag arbeiten.
    Vielen Dank für diesen tollen Artikel :)
    Liebe Grüße

  • #5

    Thomas (Dienstag, 13 Oktober 2015 20:27)

    Vielen Dank für die Auflistung!!

    Allerdings noch eine Frage:

    "Als nächstes kommt der Händler dran. Der bekommt vom Ladenpreis abzüglich der Mehrwertsteuer (dem sogenannten Nettoladenpreis) um die 35% dafür, dass er das Buch an die Leser bringt. Händler mit mehr Marktmacht, wie beispielsweise Amazon, verlangen durchaus auch satte 50% (und mehr). Kleine, stationäre Buchhändler, kommen mit ihrer Handelsspanne meist gerade so über die Runden."

    Wo liegt der Unterschied zwischen einem Händler mit 35% und einem kleinen Händler? Und: Wieviel % bekommt dieser vom Kuchen ab?

  • #6

    Anne Mehlhorn (Mittwoch, 14 Oktober 2015 16:49)

    Hallo Thomas!
    Die Handelsspanne liegt normalerweise zwischen 30 und 50% würde ich sagen. Ich wollte zum Ausdruck bringen, dass Großhändler wie Amazon, Thalia oder Hugendubel in der Regel größere Spannen bekommen als der kleine Buchhändler "um die Ecke", da sie mehr Marktmacht besitzen und den Verlagen wichtig ist, bei ihnen im Regal zu stehen :-)
    Liebe Grüße
    Anne

  • #7

    Thomas (Mittwoch, 14 Oktober 2015 17:49)

    Danke :)

 

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